Samstag 11.02.2012
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Documenting Gender Bending
Kämpfen. Für Anerkennung. Für Rechte. Für Gleichberechtigung. Für Akzeptanz. Für Freiheit. Für Freude. Für uns. – Wer Dokumentationen mag kommt heute voll und ganz auf seine Kosten. Gleich sechs Dokumentationen feiern heute ihre Berlinale-Premiere und konkurrieren zugleich auch um den TEDDY AWARD für den besten Dokumentar-/Essay-Film. Dabei sind unter anderem Beiträge über die schwulen Bewegung in den 60er Jahren der BRD, den Kampf um Anerkennung und Freiheit in Uganda und Indonesien, die Künstlerin Marina Abramović und den Aufbau eines queeren Gedächtnisses. Daneben gibt es noch musikalisches aus dem hohen Norden und queeres Gender-Bending von Cheryl Dunye…well, well, well.
Die Bielefeld-Bewegung |
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Es gab eine Zeit, in der die Regenbogenfahne mehr war als ein Lifestyle-Versprechen. DETLEF führt uns in die Sturm-und-Drang-Zeit der schwulen Emanzipationsbewegung und beleuchtet ein fast vergessenes Kapitel westdeutscher Geschichte, als wichtige gesellschaftspolitische Veränderungen und elementare Rechte für Schwule und Lesben erkämpft wurden. Der 60-jährige Detlef Stoffel öffnet ein faszinierendes Lebensarchiv, das Einblicke in bewegte, bewegende, aufregende und anregende Zeiten gewährt, als Utopien noch möglich schienen. Weggefährten und Zeitgenossen erinnern sich an die Aufbruchsstimmung, als Stoffel 1972 die Bielefelder Schwulengruppe IHB gründete, auf die Straße ging, Öffentlichkeitsarbeit machte und einen schwulen Bioladen betrieb. Coloseeum 1, 13.00 Uhr |
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Schande! Schande! Schande! |
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Das Anti-Homosexualitäts-Gesetz, das religiöse Gruppen in Uganda durchzusetzen versuchen, verlangt den Freiheitsentzug für Homosexuelle und in „schweren Fällen“ sogar die Todesstrafe. In dem Land, in dem 95 Prozent der Bevölkerung die Kriminalisierung von Homosexualität befürworten, kämpft eine Gruppe queerer Aktivisten gegen dieses Gesetz. Hasserfüllt und sarkastisch äußern sich christliche Fanatiker im Film, einzig der Bischof Christopher Senyonjo stellt sich demonstrativ auf die Seite der Verfolgten und bietet ihnen Schutz vor Übergriffen. Der Film CALL ME KUCHU beschreibt das Leben David Kato, des ersten öffentlich schwulen Aktivisten Ugandas, und seiner Mitstreiter. Es ist von ständiger Angst vor Angriffen geprägt, aber auch von Momenten des Glücks und des gemeinsamen Feierns. Ruhig beobachtend zeichnet der Film ein Bild extremer Homophobie, christlich-religiösen Fanatismus’ und einer gerade daraus erstarkenden LGTB-Gemeinschaft. David Kato wurde Anfang 2011 in seiner Wohnung getötet. Bei der TEDDY GALA 2011 verurteilte Rosa von Praunheim diesen Mord mit den Worten "Schande! Schande! Schande!".
CineStar 7, 17.00 Uhr
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La dernier Métro* |
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Ein Studio. Ein Mann und eine Frau. Auf der Leinwand bewegte Bilder, die er kommentiert, angespornt von ihren Fragen. Sämtliche Aufnahmen sind aus dem Fenster einer Wohnung entstanden, Blicke auf die Straße, auf die Hochbahn, den Kanal, in die Fenster gegenüberliegender Gebäude. Die Wohnung gehört dem Geliebten des Mannes. Kino International, 17.00 Uhr *franz.: Die letzte Metro. (Ein Film von François Truffaut, dem Vater von Éva Truffaut.) |
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Indischer Emanzipationskamp |
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Srikandi ist eine Figur des indischen Mahabharata, die ihre Geschlechtsidentität ändert, um als Frau gleichberechtigt unter Männern zu leben und zu kämpfen. Sie ist das Leitbild für acht sehr persönliche Blicke auf lesbisches, bisexuelles und transidentisches Leben im islamisch geprägten Indonesien. Entstanden als kollektives Filmprojekt, vom persönlichen Essay bis zur radikalen, konzeptuellen Auseinandersetzung mit queerer Politik, ist es eine selbstbewusste Standortbestimmung, in der eine Generation von Frauen ihre Stimme findet. Ein javanisches Schattenspiel verbindet und verwebt die verschiedenen Geschichten der Charaktere miteinander, wodurch ANAK-ANAK SRIKANDI über einen klassischen Episodenfilm hinausgeht. CineStar 7, 20.00 Uhr |
The Revolution is my Boyfriend |
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„Als Aktivist geboren“: Vito Russo, New Yorker Filmkritiker, Drehbuchautor und LGBT-Aktivist, war über Jahrzehnte eine der charismatischsten, eloquentesten und inspirierendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Schwulenbewegung nach Stonewall. Berühmt wurde er durch seine Life Lecture und sein Buch „The Celluloid Closet“ (1981), eine Untersuchung der Darstellung von Homosexualität im Film – bis heute ein Standardwerk zum Thema, mit dem er in idealer Weise seine Liebe zum Show-Business mit radikaler Schwulenpolitik verbinden konnte. Für den gleichnamigen Film erhielten die Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman 1996 den TEDDY Award und schließlich den Oscar. Reichhaltiges Archivmaterial und Statements von Freunden und Aktivisten fügen sich VITO, dem Portrait eines energiegeladenen, bis zuletzt aktiven und für das queere Gedächtnis unverzichtbaren Menschen. Vito Russo starb 1990 an AIDS. CineStar 7, 22.30 Uhr |
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Preussische Tugenden |
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Oops! Shocking? Das sieht man eher selten: Zwei ältere Herren, nackt, die in gediegener Umgebung gerne über ihre Beziehung und gute alte Zeiten zu sprechen. Erfrischend offen plaudern sie über Fetische, Sadomasochismus und Bondage: ZUCHT UND ORDNUNG. Unser Reporter Magnus Rosengarten hat mit dem Regisseur Jan Soldat über seinen Film gesprochen. Colosseum 1, 15:30 Uhr |
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Musik liegt in der Luft |
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Sie tanzen und singen in buntem Licht und Glitter. Vier Jugendliche feiern Teresas Geburtstag mit Drogen und Musik. Es wird eine lange, turbulente Nacht. Und es soll die Nacht der Entscheidung werden: Teresa ist 16 geworden und immer noch Jungfrau. Daniel hingegen verzehrt sich nach Lina, besonders wenn sie ihre schönen Lieder singt. Teresas Freundin war zwar nach eigenen Angaben schon mit 53 Jungen im Bett, lässt aber Daniel jetzt nicht an sich ran. Lina will lieber einen berühmten Rockstar verführen und als Sängerin Karriere machen. Daniel riskiert viel, um Lina umzustimmen. Rasantes Tempo und Ruhe wechseln sich ab in dem knallbunten dänischen Musical MAGI I LUFTEN, das die Grenzen des Genres immer wieder austestet. Haus der Kulturen der Welt 1, 17.30 Uh |
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Bend over for Genderbending |
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Eigentlich sind Claudine und Dylan glücklich miteinander. Doch vor allem Dylan ist davon überzeugt, dass es im queeren Berlin noch mehr geben muss als die ewige lesbische Monogamie. Also gehen die Frauen Erfahrungen sammeln: Dylan stößt dabei in einem neuen Sexclub an ihre erotischen Grenzen. Claudine wird zu Claude, lernt im Hotel, in dem sie arbeitet, die reife und attraktive Helen kennen und erforscht mit ihr einen neuen Zugang zur Liebe. Beim großen Finale auf einem Hotelbett kommt schließlich alles und (fast) jede zusammen...
Die legendäre US-amerikanische Undergroundregisseurin Cheryl Dunye hat ein Faible für Sex, Spaß, Gender Bending und das Brechen von Tabus. Ihre lust- und humorvoll inszenierte Geschichte MOMMY IS COMING um drei Frauen, die es wissen wollen, ist gleichzeitig quietschvergnügtes Porno-Zitat und selbstbewusst-queere Porno-Interpretation.
Colosseum 1, 22.30 Uhr
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Çok ayıp!* |
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Ayşe wird als Zweitfrau für Ahmet nach Wien geholt. In Österreich angekommen, begegnet ihr die neue Familie mit unterschiedlichen Gefühlen. Nur die schwer an Krebs erkrankte Fatma, Ahmets langjährige Ehefrau, freut sich aufrichtig: Weiß sie doch ihren Mann in den Händen einer guten Nachfolgerin. Doch dann stirbt nicht Fatma, sondern Ahmet. Und Ayşe verliebt sich in einen ebenfalls aus der Türkei stammenden jungen Kollegen. Als Fatma davon erfährt, fühlt sie sich verletzt und getäuscht.
Mit sensiblem Gespür für den komplizierten Mikrokosmos einer in Wien lebenden türkischen Familie fragt Umut Dağ in KUMA nach dem Verhältnis von Tradition und Moderne, Loyalität und Freiheit und scheut dabei große Emotionen nicht.
CinemaxX 7, 21.00 Uhr
*türk.: Viel Schande!, Das gehört sich nicht!
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VERANSTALTUNGEN
Zwischen den Orten |
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ROAD MOVIE nimmt das Leben im heutigen Palästina in den Blick, wo die Bewohner_innen der Westbank tagtäglich mit einem segregierten und unmöglichen Straßennetz konfrontiert sind. Die Akteure des Films, von palästinensischen Taxi- und Krankenwagenfahrer_innen über israelische Siedler_innen bis hin zu Menschenrechtsaktivist_innen, ermöglichen einen einzigartigen und ungewöhnlichen Einblick in das Schicksal dieses Landes. Die Installation evoziert die Sperrmauer, die Palästina umzäunt und zeigt dabei faszinierende und intensive Bilder.
Gutschow-Haus, 11.00-20.00 Uhr
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Eine Welt nur für uns |
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Die Videomontage A WORLD OF OUR OWN verwebt die Geschichten verschiedener Cosmo-Figuren, Entdeckerinnen bekannter und unbekannter Welten, wahre und erfundene Freiheitskämpferinnen aus verschiedenen Zeiten und Orten, die sich für eine gemeinsame Zukunftsmission im größten Finanzzentrum der Welt treffen. Die Montage verschiedener Elemente verknüpft die Figuren quer durch Zeit und Raum. Die Arbeit adressiert aktuelle politische Kämpfe und feministische Vermächtnisse, die Vergangenheit sickert ein in die Gegenwart und ermöglicht eine andere Zukunft.
Kunstsäle Berlin, 11.00-20.00 Uhr
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Der kleine Bauchredner aus Kanada |
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„Beuys hatte seine Uniform, Warhol seinen Siebdruck, Steve Reinke hat seine Stimme. Sie ist eine Art Erkennungsmerkmal, ein Kostüm zur Maskierung der Persönlichkeit; noch wichtiger: sie garantiert Vergnügen.“ Mike Hoolboom. THE TINY VENTRILOQUIST ist eine Sammlung kürzerer Arbeiten. In diesen Arbeiten erprobt Reinke eine Reihe verschiedener Stimmen, Standpunkte, Geschichten und Ideologien, und verwirft sie schließlich allesamt. Stilistisch bewegen sich die Videos zwischen Animation, Homemovie, Tagebuch- und Found Footage-Film. Das Bindeglied zwischen diesen disparaten Ansätzen ist Reinke selbst, der stets als hintergründig-humorvoller Erzähler fungiert.. Botschaft von Kanada, 11.00-20.00 Uhr |
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