Mittwoch 15.02.2012

         

Far far away from heaven


Sehnsucht und Suche sind immer wieder wichtige Themen in den Filmen des TEDDY Programms. Suche nach sich selbst und anderen, dem Glück, Geborgenheit, einem Zuhause oder der großen weiten Welt. Und manche Menschen sind sogar auf der Suche nach der Sehnsucht. Tja, und wer die Sehnsucht liebt, der liebt Mahrzahn – und unser heutiges Programm: Es geht um in der spanischen Dürre verlorene Männer, Machos, die für die Rechte von Homosexuellen kämpfen, Homosexuelle, die für Menschenrechte kämpfen, Beziehungen am seidenen Faden und Jugendliche, die sehnsüchtig durch die Nacht jagen, auf der Suche nach sich selbst und dem Leben. Wem all das noch nicht reicht, der findet noch mehr Filmclips und Interviews auf unserer Seite sowie noch mehr Filme in der Tagesübersicht.


Von Mäusen und Rittern


Den Sommer verbringt Carlos bei seiner Familie auf dem Lande, um dort auszuhelfen. Vielleicht wird er nicht einmal zurückkehren in die Hauptstadt, denn die wirtschaftlichen Aussichten sind auch dort nicht gut. Die Extremadura hingegen, dünn besiedelt und lange Zeit eine der vernachlässigten Regionen Europas, erlebt einen zaghaften Aufschwung. Tourismus und Modernisierungen treffen hier auf fast archaische Bräuche, auf eine konservative, überdurchschnittlich alte Bevölkerung.

SLEEPLESS KNIGHTS erzählt all dies beiläufig, unaufdringlich, in bisweilen überirdisch schönen Bildern. Der rote Faden ist die Liebesgeschichte zwischen dem Rückkehrer Carlos und dem jungen Polizisten Juan. Von hier oder nicht von hier, das ist die Entscheidung, die viele hier treffen müssen.

CineStar 8, 11.00 Uhr

Abseits der Pfade


Wenn die Schulkinder die Nationalhymne singen, darf der achtjährige Toto nicht mitsingen. Er hat eine Hasenscharte und seine schwer verständliche Stimme sorgt regelmäßig für Gelächter. Aber der Junge aus einem Armenviertel ist eine fröhliche Kämpfernatur und lässt sich nicht unterkriegen. Und wenn es drauf ankommt, kann Toto sich ganz auf seine eigensinnige und warmherzige Mutter verlassen. Sie unterstützt ihn auch bei einem aberwitzigen Entschluss. Toto will am Nationalfeiertag unbedingt an einem Vortragswettbewerb teilnehmen.

Milo Tolentinosists farbenfrohes Langfilmdebüt NONO ist ein Plädoyer für ein manchmal schmerzvolles, gleichwohl aber erfülltes Leben abseits der ausgetretenen Pfade
 
CinemaxX 3, 14.00 Uhr

 


Unschuld und Arsen


SWOON ist die Geschichte von Nathan Leopold Junior und Richard Loeb, zwei jüdischen Intellektuellen, die durch die Entführung und den Mord an einem Jungen namens Bobby Franks am 21. Mai 1924 bekannt wurden.

Diese intelligenten, frühreifen achtzehnjährigen Jugendlichen entwickelten eine komplizierte Beziehung zueinander, die auf ihrer Lust an kriminellen Aktivitäten basierte und von der Öffentlichkeit mit ihrer Homosexualität in Verbindung gebracht wurde. Nach dem Mord konnten sie aufgrund der zahllosen Spuren, die sie hinterlassen hatten, sowie wegen ihrer unglaubwürdigen Alibis ohne Schwierigkeiten festgenommen werden; der nachfolgende Prozeß wurde sogleich zu einem Thema der internationalen Presse.

Der Film untersucht die verschlungenen Beziehungen zwischen Nathan Leopold und Richard Loeb und deutet dabei auf die Umrisse eines Pakts, der angeheizt wurde durch Herrschaft und Unterwerfung und durch den eskalierenden Ersatz von Sexualität durch kriminelle Aktivitäten.

Kino Arsenal 1, 16.45 Uhr


Mario Montez


Ein Boot, ein See, ein träger Sommernachmittag, Naturidylle-Glamour. Die legendäre, unwiderstehliche, unverwüstliche US-Underground-Legende Mario Montez seziert die albernen Fashion-Tipps von Hollywood-Ikone Joan Crawford: „Such crap!“ - A LAZY SUMMER AFTERNOON WITH MARIO MONTEZ

CineStar 7, 17.00 Uhr


Konrad, Paul und Ralf


Humor, Ironie und scharfe Beobachtung als befreiende Waffen gegen bigotte Vorurteile: Schwules Leben und schwule Klischees, Männerbefindlichkeiten, Liebeslust und -frust, Großstadtneurosen, Trips in die Antike und der gesellschaftliche Einfluss von Religion(en) – das sind die Themen des neben Walter Moers und Brösel bekanntesten deutschen Comiczeichners Ralf König. Die Dokumentation KÖNIG DES COMICS ist eine Hommage an den Künstler, der heute auf der Höhe seiner Schaffenskraft ist. Sein Leben und seine Kunst sind eng mit der Entwicklung der schwulen Community seit Ende der Siebzigerjahre verbunden. Königs Themen und Interessen haben mittlerweile jedoch die Grenzen der Homo-Szene inzwischen weitgehend überschritten.

Fröhlich und intim, tiefsinnig und charmant führt Rosa von Praunheim durch seine Dokumentation über Ralf König. Der Film zeichnet(!) ein Bild vom Menschen hinter den Comics und offenbart dabei auch einige Geheimnisse über die Figuren der Comicwelt.

Kino International, 17.00 Uhr

1. Filmclip KÖNIG DES COMICS

2. Filmclip KÖNIG DES COMICS


Peder*


 

Grenzüberschreitungen werden in PARADA zum komödiantischen Prinzip. Das wilde Spiel mit Klischees und Stereotypen wurde in Serbien und in den Nachbarländern zum überraschenden Publikumserfolg.

Hier verbinden lebensrettende Maßnahmen an einem Gangster-Pitbull zwei Welten, trifft Old-School-Machismo auf schwulen Einrichtungswahn, Homophobie auf exaltierte Geschlechterinszenierungen, hier bilden die alten Feinde – Serben, bosnische Muslime, Kosovo-Albaner und kroatische Kriegsveteranen – zusammen mit Schwulen-Aktivisten eine utopische Truppe. Gemeinsam wird man zum Himmelfahrtskommando auf Mission Impossible, will Nationalisten und Neonazi-Organisationen trotzen und dem erneuten Versuch einer Gay Pride Parade zum Erfolg verhelfen.

Cubix 9, 17.00 Uhr

*Serbisch: Schwuchtel.


Çok ayıp!*


Ayşe wird als Zweitfrau für Ahmet nach Wien geholt. In Österreich angekommen, begegnet ihr die neue Familie mit unterschiedlichen Gefühlen. Nur die schwer an Krebs erkrankte Fatma, Ahmets langjährige Ehefrau, freut sich aufrichtig: Weiß sie doch ihren Mann in den Händen einer guten Nachfolgerin. Doch dann stirbt nicht Fatma, sondern Ahmet. Und Ayşe verliebt sich in einen ebenfalls aus der Türkei stammenden jungen Kollegen. Als Fatma davon erfährt, fühlt sie sich verletzt und getäuscht.
Mit sensiblem Gespür für den komplizierten Mikrokosmos einer in Wien lebenden türkischen Familie fragt Umut Dağ in KUMA nach dem Verhältnis von Tradition und Moderne, Loyalität und Freiheit und scheut dabei große Emotionen nicht.
 
CineStar 3, 17.45 Uhr
 
*türk.: Viel Schande!, Das gehört sich nicht!

On the road to find out


 

Der Road-Movie OLHE PRA MIM DE NOVO (LOOK AT ME AGAIN) entführt uns in die wilden, halb ausgetrockneten Weiten des brasilianischen Nordostens. Reisebegleiter ist Silvyo Luccio (Eigendefinition: „...wurde als Frau geboren, wurde zur Lesbe und ist jetzt ein Mann“), ein reflektierender Mensch im Prozess des Übergangs und des Wandels, der hier in seine religiös fundamentalistische, vorurteilstriefende, traditionelle Vergangenheit zurückkehrt.

Der Film ist das Porträt eines vitalen Menschen voller Widerstandskraft, der sich dem überständigen Geistertrio Hetero-Homo-Bisexualität aus dem Sexkatechismus entzogen hat und hoffnungsvoll auf der Suche nach neuen Wegen und Horizonten ist.

Cubix 7, 17.30 Uhr


Haram*


London, zwei arabische Brüder im tristen Stadtteil Hackney. Für den sensiblen 14jährigen Mo ist der 19jährige Bruder Rashid sein idealisiertes Idol: Er ist Mitglied einer Gang, dealt mit Drogen, unterstützt die Familie und wird auf der Straße respektiert. Rashid aber wünscht sich, dass Mo einen anderen Lebensweg einschlägt. Die Begegnung mit dem Fotografen Sayyid Rashid eine neue Welt und neue Möglichkeiten. Für Mo bricht jedoch eine Welt zusammen, als er entdeckt, dass sein vergötterter Bruder schwul ist. Als auch seine Gang die Wahrheit herausfindet und Rashid erledigen will, muss sich Mo seinen eigenen Vorurteilen stellen, um das Leben seines Bruders zu retten.
Authentisch, rasant und mit dichter Atmosphäre erzählt MY BROTHER THE DEVIL eine Coming-of-age-Geschichte und von der bedingungslosen Liebe zweier Brüder, die ihre Identität und ihren Weg finden müssen.

Friedrichstadtpalast, 18.00 Uhr
 

vad dejligt*


Manhattan, 1998. Als es zur ersten Begegnung von Eric (Thure Lindhardt) mit seinem Date Paul kommt, entlädt sich eine Leidenschaft, die zunächst ohne Zukunft scheint. Zwei Jahre später teilen die beiden Männer jedoch ihr Zuhause und ihren Alltag. Doch Paul ist labil und reißt immer wieder aus. Zwischen Gesprächen, Sex und Drogen ringen sie um einen gemeinsamen Lebensrhythmus, aber Süchte und Zwänge lassen ihre Partnerschaft immer wieder entgleisen. Beide wollen nicht aufgeben und um das Fortbestehen der Paar-Geborgenheit kämpfen.
Von der ersten Einstellung an nähert sich Regisseur Ira Sachs seinem Männerpaar KEEP THE LIGHTS ON mit aufrichtiger Intimität. Mit der wachsenden Instabilität ihrer Freundschaft und Liebe zeichnet er ein schonungsloses Bild menschlichen Miteinanders in unserer Zeit.

CinemaxX 7, 19.00 Uhr

*Dän.: Wie schön!

 


Ich will zurück nach Westerland


WESTERLAND auf Sylt im Winter. Am Strand ein Junge, Jesús, den es von irgendwoher auf die Insel verschlagen hat. Cem, der beim Ordnungsamt der Insel jobbt und später Landschaftsarchitektur studieren will, begegnet Jesús, als der sich gerade eine Plastiktüte über den Kopf zieht, um sich von der Welt zu verabschieden. Den Regisseur Tim Staffel interessierte die Frage, was eigentlich passiert, wenn einer, der fest im Leben verankert ist, auf einen trifft, der keinen Glauben mehr an sich, irgendwen oder irgendetwas hat.

Der eine, Cem, stellt fest, dass alles, worauf er bisher aus war, vielleicht gar nicht so großes Gewicht für ihn hat. Und der andere, Jesús, für den schon lange nichts mehr wichtig war, realisiert auf einmal, dass da jemand ist, der ihm etwas bedeutet und dem er etwas bedeutet. Einzug der Idylle? Von wegen. Das Gift der gegenseitigen Abhängigkeit zerfrisst das Paar von innen her.

CinemaxX 3, 19.30 Uhr


Emanzipationskampf



1992, vor genau zwanzig Jahren, starb die berühmte afroamerikanische Dichterin und Autorin Audre Lorde, einer vielzitierten Selbstbeschreibung zufolge „Lesbe, Feministin, Schwarze, Dichterin, Mutter, Kämpferin“. In den Achtzigerjahren holte Dagmar Schultz, die damals am John-F.-Kennedy Institut der Freien Universität Berlin lehrte, Lorde als Gastprofessorin nach Berlin. Ein Schritt, der nachhaltige Auswirkungen hatte. Lorde wurde zur Mentorin und Mitbegründerin der afrodeutschen Bewegung.

In ihrem filmischen Porträt AUDRE LORDE - THE BERLIN YEARS verarbeitet Dagmar Schultz zum Teil nie gezeigtes und sehr persönliches Material von Lorde und zeigt sie im Kreise ihrer Berliner Freundinnen, Weggefährtinnen Sie wurden zu Dichterinnen und Wissenschaftlerinnen, denen die ersten deutschsprachigen Arbeiten zu afrodeutscher Geschichte und Rassismus zu verdanken sind.

Magnus Rosengarten spricht im Interview mit den Filmmacher_innen über ihre Forschung für den Film und ihre persönlichen Erinnerungen an Audre Lorde.

CineStar 7, 20.00 Uhr


Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort


Ksawery und Karolina besuchen Jan auf dem Land. Ksawery ist ein Tänzer, der als Drag Queen auftritt, Karolina seine Agentin. Jan ist Ksawerys Großvater. Ksawery ist schwul, Karolina Jüdin. Jan hütet ein dunkles Geheimnis aus der Zeit des Holocaust.

Identität setzt sich in SEKRET aus Schichten zusammen, die sich nicht immer harmonisch nach Herkunft und Zugehörigkeitsgefühl verbinden wollen. Für die disparaten Aspekte der Beziehungen der drei Protagonisten zueinander, für die unterschiedlichen Mosaiksteinchen ihrer Identitäten entwickelt der Film ebenso heterogene visuelle und narrative Stilelemente. Sekret bohrt die Schicht der Identität an, die aus dem besteht, was die vorigen Generationen an uns weitergeben. Das kann weh tun, aber auch heilen.

CineStar 8, 22.00 Uhr

 


Die Bielefeld-Bewegung


Es gab eine Zeit, in der die Regenbogenfahne mehr war als ein Lifestyle-Versprechen. DETLEF führt uns in die Sturm-und-Drang-Zeit der schwulen Emanzipationsbewegung und beleuchtet ein fast vergessenes Kapitel westdeutscher Geschichte, als wichtige gesellschaftspolitische Veränderungen und elementare Rechte für Schwule und Lesben erkämpft wurden.

Der 60-jährige Detlef Stoffel öffnet ein faszinierendes Lebensarchiv, das Einblicke in bewegte, bewegende, aufregende und anregende Zeiten gewährt, als Utopien noch möglich schienen. Weggefährten und Zeitgenossen erinnern sich an die Aufbruchsstimmung, als Stoffel 1972 die Bielefelder Schwulengruppe IHB gründete, auf die Straße ging, Öffentlichkeitsarbeit machte und einen schwulen Bioladen betrieb.

Cinestar 7, 22.30 Uhr


Metaphysische Obdachlosigkeit*


L’ÂGE ATOMIQUE folgt einer vergnügungssüchtig begonnenen Reise ins Pariser Nachtleben, die im Morgengrauen in einem entfernten Wäldchen mit Ernüchterung und Verlorenheit endet. Was suchen Victor und Rainer, die nachts mit dem Zug in ein klaustrophobisch wirkendes Pariser Zentrum fahren? Das künstliche Paradies eines Nachtklubs, Amüsement, Sex, Drogen, aber auch Vergessen.

Wir folgen den beiden Freunden bei ihrem Gang durch die Nacht, der sich durch schwule Gesten und anhaltenden Augenkontakt immer stärker mit unausgesprochener Erotik auflädt. Dabei gibt die Regisseurin Héléna Klotz nicht vor, ihre Charaktere ganz zu verstehen – es bleibt immer etwas Fundamentales und Geheimnisvolles, das sich uns entzieht, aber uns einlädt, Dinge und Menschen genauer zu betrachten.
 
Cubix 7&8 Interlock, 22.30 Uhr
 

* Nietzsche, Lukács und drei anderen gefällt das.



VERANSTALTUNGEN



Zwischen den Orten


ROAD MOVIE nimmt das Leben im heutigen Palästina in den Blick, wo die Bewohner_innen der Westbank tagtäglich mit einem segregierten und unmöglichen Straßennetz konfrontiert sind. Die Akteure des Films, von palästinensischen Taxi- und Krankenwagenfahrer_innen über israelische Siedler_innen bis hin zu Menschenrechtsaktivist_innen, ermöglichen einen einzigartigen und ungewöhnlichen Einblick in das Schicksal dieses Landes. Die Installation evoziert die Sperrmauer, die Palästina umzäunt und zeigt dabei faszinierende und intensive Bilder.
 
Gutschow-Haus, 11.00-20.00 Uhr

Eine Welt nur für uns


Die Videomontage A WORLD OF OUR OWN verwebt die Geschichten verschiedener Cosmo-Figuren, Entdeckerinnen bekannter und unbekannter Welten, wahre und erfundene Freiheitskämpferinnen aus verschiedenen Zeiten und Orten, die sich für eine gemeinsame Zukunftsmission im größten Finanzzentrum der Welt treffen. Die Montage verschiedener Elemente verknüpft die Figuren quer durch Zeit und Raum. Die Arbeit adressiert aktuelle politische Kämpfe und feministische Vermächtnisse, die Vergangenheit sickert ein in die Gegenwart und ermöglicht eine andere Zukunft.

 
Kunstsäle Berlin, 11.00-20.00 Uhr


Der kleine Bauchredner aus Kanada


Beuys hatte seine Uniform, Warhol seinen Siebdruck, Steve Reinke hat seine Stimme. Sie ist eine Art Erkennungsmerkmal, ein Kostüm zur Maskierung der Persönlichkeit; noch wichtiger: sie garantiert Vergnügen.“ Mike Hoolboom.

THE TINY VENTRILOQUIST ist eine Sammlung kürzerer Arbeiten. In diesen Arbeiten erprobt Reinke eine Reihe verschiedener Stimmen, Standpunkte, Geschichten und Ideologien, und verwirft sie schließlich allesamt. Stilistisch bewegen sich die Videos zwischen Animation, Homemovie, Tagebuch- und Found Footage-Film. Das Bindeglied zwischen diesen disparaten Ansätzen ist Reinke selbst, der stets als hintergründig-humorvoller Erzähler fungiert..

Botschaft von Kanada, 12.00-18.00 Uhr

 
 
 



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