Dienstag 14.02.2012

         

True happiness can only be found in mad love*


Ja, es  ist Kommerz. Ja, es geht darum Blumen und Schokolade zu verkaufen. Aber es geht auch einfach um die Liebe. Und heute am Valentinstag gibt es bei uns eine extra Portion davon. Die Liebe aber hat viele Formen - und genauso vielfältig ist auch die heutige Filmauswahl: Wir zeigen euch Kinder mit Lebensfreude, unzüchtige Spanierinnen, tiefgründige Pornodarstellerinnen und Ritter mit Leidenschaft. Wem all das noch nicht genug ist, der kann sich zudem noch neue Interviews und Filmclips anschauen und wird noch mehr Filme in der Tagesübersicht finden.

Der TEDDY wünscht allen einen frohen Valentinstag!

 

*Aus: L'ÂGE ATOMIQUE


Peder*


Grenzüberschreitungen werden in PARADA zum komödiantischen Prinzip. Das wilde Spiel mit Klischees und Stereotypen wurde in Serbien und in den Nachbarländern zum überraschenden Publikumserfolg.

Hier verbinden lebensrettende Maßnahmen an einem Gangster-Pitbull zwei Welten, trifft Old-School-Machismo auf schwulen Einrichtungswahn, Homophobie auf exaltierte Geschlechterinszenierungen, hier bilden die alten Feinde – Serben, bosnische Muslime, Kosovo-Albaner und kroatische Kriegsveteranen – zusammen mit Schwulen-Aktivisten eine utopische Truppe. Gemeinsam wird man zum Himmelfahrtskommando auf Mission Impossible, will Nationalisten und Neonazi-Organisationen trotzen und dem erneuten Versuch einer Gay Pride Parade zum Erfolg verhelfen.

CinemaxX 7, 10:30 Uhr

*Serbisch: Schwuchtel.


Alles was ich habe sind Erinnerungen


UNTER MÄNNERN – SCHWUL IN DER DDR beschäftigt sich mit der Frage, wie Homosexualität im „real existierenden Sozialismus“ gelebt wurde und gelebt werden konnte. Wir begegnen sechs Männern, die zum Teil erstmals in aller Offenheit über ihre sozialen und intimen Erfahrungen sprechen.  Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. An einem Ende des Spektrums gibt es etwa den Frisör Frank Schäfer, ein listenreicher Individualist, am anderen Ende den Theologen Eduard Stapel, der ein DDR-weites Netz homosexueller Vereinigungen gründete und ins Visier der Staatssicherheit geriet.

All dies geschieht aus der Perspektive des Regisseurs Ringo Rösener, der zwar in der DDR geboren wurde, aber zu jung ist, um noch viel von ihr erlebt zu haben. Er begibt sich auf die Suche nach den Erinnerungen eines Landes, das es nicht mehr gibt.

CineStar 7, 12.00 Uhr


Abseits der Pfade


Wenn die Schulkinder die Nationalhymne singen, darf der achtjährige Toto nicht mitsingen. Er hat eine Hasenscharte und seine schwer verständliche Stimme sorgt regelmäßig für Gelächter. Aber der Junge aus einem Armenviertel ist eine fröhliche Kämpfernatur und lässt sich nicht unterkriegen. Und wenn es drauf ankommt, kann Toto sich ganz auf seine eigensinnige und warmherzige Mutter verlassen. Sie unterstützt ihn auch bei einem aberwitzigen Entschluss. Toto will am Nationalfeiertag unbedingt an einem Vortragswettbewerb teilnehmen.

Milo Tolentinosists farbenfrohes Langfilmdebüt NONO ist ein Plädoyer für ein manchmal schmerzvolles, gleichwohl aber erfülltes Leben abseits der ausgetretenen Pfade
 
Haus der Kulturen der Welt 1, 12.30 Uhr

 


…aber die Liebe ist die größte unter ihnen


Die zierliche, agile Mutter Maria will sich in GLAUBE, LIEBE, TOD mit ihrem kranken, übergewichtigen Sohn Peter auf einem Hausboot erholen. Auf der Autofahrt zum Boot nehmen sie einen jungen Anhalter mit, der den ewigen Konflikt zwischen Mutter und Sohn aber nur vertieft und schnell wieder abgesetzt wird. An Bord des Hausbootes werden die Gebrechen des Sohnes endgültig zur Waffe der Mutter.Sein spätes Coming Out, ihre sentimentalen Erinnerungen an Hitler, und immer wieder Streit, aber auch Küsse, werden jäh gestoppt, als der Motor des Bootes ausfällt. Manövrierunfähig und voller Panik entdecken sie einen blinden Passagier an Bord. Während Peter Interesse an dem Fremden zeigt, fürchtet die Mutter um Werte und Kultur der Heimat.

Peter Kern rechnet in seinem Film mit dem angeblichen Kampf der Kulturen und der Unfähigkeit zu lieben ab.

CinemaxX 7, 13.30 Uhr

 


Wild und unzüchtig


Danielas Gedanken sind wild und kreisen vor allem um Sex und ihr Bedürfnis nach Selbstentfaltung. Und Daniela lebt für ihren Blog. Hier spricht sie offen über alles, was sie bewegt. Im Elternhaus muss sie das heimlich tun, denn sie stammt aus einer Familie wohlhabender, strenggläubiger Evangelikaler. Weil Daniela doch einmal mit einem Jungen geschlafen hat, wird sie von der Schule verwiesen. Ihre Mutter versucht sie mit Zwangsmaßnahmen auf den rechten Glaubensweg zurückzubringen. Daniela will aber nicht länger auf Zärtlichkeit und sexuelle Erfüllung verzichten – und beginnt eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit ihrer Freundin.

Experimentierfreudig wie seine Protagonistin und mit grellen Illustrationen versehen, lässt der Film JOVEN & ALOCADA lustvoll Gegensätze aufeinanderprallen.

Cubix 8, 15.30 Uhr


CHERRY BLOSSOM GIRL


Die 18jährige Angelina arbeitet in einem Waschsalon und will ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Nachdem sie mit einigen Nacktfotos Geld verdient hat, entflieht sie mit ihrem besten Freund dem White-Trash-Milieu ihrer dysfunktionalen Familie. In San Francisco gerät sie nach diversen Jobs allmählich ins Porno-Filmbusiness. Als CHERRY kann sie mit ihrer naiv-lasziven Art schnell reüssieren und ihre eigene Sexualität ausloten. Die starke junge Frau muss sich mit den vielen Vorurteilen ihrer Umwelt auseinandersetzen. Ein Rechtsanwalt möchte sie „retten“, hat aber selbst massive Drogenprobleme. Schließlich findet sie in ihrer Regisseurin, die mit ihrer Geliebten selbst ähnliche Probleme hat, eine verständnisvolle Freundin und Partnerin. Und bald wechselt Angelina die Seiten und wird selbst Pornoregisseurin.

Ohne falsche Moral und ohne Voyeurismus gelingt Regisseur Stephen Eliott in seinem Debütfilm das Porträt einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Welt. Dabei behandelt er das Thema Porno-Business vorurteilslos und mit erfrischender Sachlichkeit.

 

Kino International, 17.00 Uhr

 


Die Bielefeld-Bewegung


Es gab eine Zeit, in der die Regenbogenfahne mehr war als ein Lifestyle-Versprechen. DETLEF führt uns in die Sturm-und-Drang-Zeit der schwulen Emanzipationsbewegung und beleuchtet ein fast vergessenes Kapitel westdeutscher Geschichte, als wichtige gesellschaftspolitische Veränderungen und elementare Rechte für Schwule und Lesben erkämpft wurden.

Der 60-jährige Detlef Stoffel öffnet ein faszinierendes Lebensarchiv, das Einblicke in bewegte, bewegende, aufregende und anregende Zeiten gewährt, als Utopien noch möglich schienen. Weggefährten und Zeitgenossen erinnern sich an die Aufbruchsstimmung, als Stoffel 1972 die Bielefelder Schwulengruppe IHB gründete, auf die Straße ging, Öffentlichkeitsarbeit machte und einen schwulen Bioladen betrieb.

Cinestar 7, 20.00 Uhr


Preussische Tugenden


Oops! Shocking? Das sieht man eher selten: Zwei ältere Herren, nackt, die in gediegener Umgebung gerne über ihre Beziehung und gute alte Zeiten zu sprechen. Erfrischend offen plaudern sie über Fetische, Sadomasochismus und Bondage: ZUCHT UND ORDNUNG.

Unser Reporter Magnus Rosengarten hat mit dem Regisseur Jan Soldat über seinen Film gesprochen.

CineStar 7, 20:00 Uhr


Bend over for Genderbending


Eigentlich sind Claudine und Dylan glücklich miteinander. Doch vor allem Dylan ist davon überzeugt, dass es im queeren Berlin noch mehr geben muss als die ewige lesbische Monogamie. Also gehen die Frauen Erfahrungen sammeln: Dylan stößt dabei in einem neuen Sexclub an ihre erotischen Grenzen. Claudine wird zu Claude, lernt im Hotel, in dem sie arbeitet, die reife und attraktive  Helen kennen und erforscht mit ihr einen neuen Zugang zur Liebe. Beim großen Finale auf einem Hotelbett kommt schließlich alles und (fast) jede zusammen...
 
Die legendäre US-amerikanische Undergroundregisseurin Cheryl Dunye hat ein Faible für Sex, Spaß, Gender Bending und das Brechen von Tabus. Ihre lust- und humorvoll inszenierte Geschichte MOMMY IS COMING um drei Frauen, die es wissen wollen, ist gleichzeitig quietschvergnügtes Porno-Zitat und selbstbewusst-queere Porno-Interpretation.
 
CinemaxX 7, 21.30 Uhr

Von Mäusen und Rittern


Den Sommer verbringt Carlos bei seiner Familie auf dem Lande, um dort auszuhelfen. Vielleicht wird er nicht einmal zurückkehren in die Hauptstadt, denn die wirtschaftlichen Aussichten sind auch dort nicht gut. Die Extremadura hingegen, dünn besiedelt und lange Zeit eine der vernachlässigten Regionen Europas, erlebt einen zaghaften Aufschwung. Tourismus und Modernisierungen treffen hier auf fast archaische Bräuche, auf eine konservative, überdurchschnittlich alte Bevölkerung.

SLEEPLESS KNIGHTS erzählt all dies beiläufig, unaufdringlich, in bisweilen überirdisch schönen Bildern. Der rote Faden ist die Liebesgeschichte zwischen dem Rückkehrer Carlos und dem jungen Polizisten Juan. Von hier oder nicht von hier, das ist die Entscheidung, die viele hier treffen müssen.

Delphi Filmpalast, 22.00 Uhr

 


Dance the pain away


Als die Mutter des 22-jährigen Brad Lyle entdeckt, dass ihr Sohn schwul ist, brandmarkt sie ihn als Loser und wirft ihn aus dem Haus. So wie Alice ihr Wunderland entdeckt, gerät Brad in die schillernde, vitale und absolut theatralische Welt der Ball-Voguing-Community. Brad weiß noch nichts von der bitter-süßen éducation sentimentale-érotique, die ihn hier erwartet – sein Weg zu Selbsterkenntnis,  Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Turbulente Irrungen und Wirrungen ergeben sich, als sexy Brad im „House of Eminence“ aufgenommen wird.

LEAVE IT ON THE FLOOR, das Musical-Update des 1991 mit dem Teddy Award ausgezeichneten, dokumentarischen Ball-Klassikers PARIS IS BURNING von Jennie Livingston feiert die Kreativität, Imagination, Vitalität und Tapferkeit der aktuellen Ball-Community.

Cubix 7&8 Interlock, 22.30 Uhr


Metaphysische Obdachlosigkeit*


L’ÂGE ATOMIQUE folgt einer vergnügungssüchtig begonnenen Reise ins Pariser Nachtleben, die im Morgengrauen in einem entfernten Wäldchen mit Ernüchterung und Verlorenheit endet. Was suchen Victor und Rainer, die nachts mit dem Zug in ein klaustrophobisch wirkendes Pariser Zentrum fahren? Das künstliche Paradies eines Nachtklubs, Amüsement, Sex, Drogen, aber auch Vergessen.

Wir folgen den beiden Freunden bei ihrem Gang durch die Nacht, der sich durch schwule Gesten und anhaltenden Augenkontakt immer stärker mit unausgesprochener Erotik auflädt. Dabei gibt die Regisseurin Héléna Klotz nicht vor, ihre Charaktere ganz zu verstehen – es bleibt immer etwas Fundamentales und Geheimnisvolles, das sich uns entzieht, aber uns einlädt, Dinge und Menschen genauer zu betrachten.
 
CineStar 3, 22.45 Uhr
 

* Nietzsche, Lukács und drei anderen gefällt das.



VERANSTALTUNGEN

 

Zwischen den Orten


ROAD MOVIE nimmt das Leben im heutigen Palästina in den Blick, wo die Bewohner_innen der Westbank tagtäglich mit einem segregierten und unmöglichen Straßennetz konfrontiert sind. Die Akteure des Films, von palästinensischen Taxi- und Krankenwagenfahrer_innen über israelische Siedler_innen bis hin zu Menschenrechtsaktivist_innen, ermöglichen einen einzigartigen und ungewöhnlichen Einblick in das Schicksal dieses Landes. Die Installation evoziert die Sperrmauer, die Palästina umzäunt und zeigt dabei faszinierende und intensive Bilder.
 
Gutschow-Haus, 11.00-20.00 Uhr

Eine Welt nur für uns


Die Videomontage A WORLD OF OUR OWN verwebt die Geschichten verschiedener Cosmo-Figuren, Entdeckerinnen bekannter und unbekannter Welten, wahre und erfundene Freiheitskämpferinnen aus verschiedenen Zeiten und Orten, die sich für eine gemeinsame Zukunftsmission im größten Finanzzentrum der Welt treffen. Die Montage verschiedener Elemente verknüpft die Figuren quer durch Zeit und Raum. Die Arbeit adressiert aktuelle politische Kämpfe und feministische Vermächtnisse, die Vergangenheit sickert ein in die Gegenwart und ermöglicht eine andere Zukunft.

 
Kunstsäle Berlin, 11.00-20.00 Uhr


Der kleine Bauchredner aus Kanada


Beuys hatte seine Uniform, Warhol seinen Siebdruck, Steve Reinke hat seine Stimme. Sie ist eine Art Erkennungsmerkmal, ein Kostüm zur Maskierung der Persönlichkeit; noch wichtiger: sie garantiert Vergnügen.“ Mike Hoolboom.

THE TINY VENTRILOQUIST ist eine Sammlung kürzerer Arbeiten. In diesen Arbeiten erprobt Reinke eine Reihe verschiedener Stimmen, Standpunkte, Geschichten und Ideologien, und verwirft sie schließlich allesamt. Stilistisch bewegen sich die Videos zwischen Animation, Homemovie, Tagebuch- und Found Footage-Film. Das Bindeglied zwischen diesen disparaten Ansätzen ist Reinke selbst, der stets als hintergründig-humorvoller Erzähler fungiert..

Botschaft von Kanada, 12.00-18.00 Uhr

 

Folge uns auf:

Facebook Twitter Twitter

Teddy News- Letter

Bestellen

 
 



Der Teddy-Award Videoplayer wird geladen...